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Vierpunktlager

Vierpunktlager eignen sich gut, wenn:

  • überwiegend axiale Belastungen aufgenommen werden müssen ➤ Abschnitt
  • der axiale Bauraum für zweireihige Radial-Schrägkugellager nicht ausreicht
  • radiale Kräfte von einem separaten Radiallager aufgenommen werden ➤ Bild
  • axiale Kräfte in beiden Richtungen auftreten und eine enge axiale Führung bei geringer Lagerbreite gefordert ist, z. B. im Getriebebau.

Vierpunktlager und zweireihiges Schrägkugellager – Bauraumvergleich

B = Lagerbreite

Lagerausführung

Ausführungsvarianten

Vierpunktlager gibt es als:

Lager der Grundausführung

Vom Produktdesign her vergleichbar mit einreihigen Radial-Schrägkugellagern

Vierpunktlager sind einreihige, nicht selbsthaltende Radial-Kugellager. Sie gleichen in ihrem Aufbau einreihigen Radial-Schrägkugellagern; die Laufbahnen in den Lagerringen sind jedoch so gestaltet, dass sie Axialbelastungen in beiden Richtungen aufnehmen können ➤ Bild und ➤ Abschnitt. Die Krümmungsmittelpunkte der kreisbogenförmigen Lauf­bahnen im Innen- und Außenring sind so gegeneinander versetzt, dass die Kugeln die Laufringe bei radialer Belastung in vier Punkten berühren ➤ Bild und ➤ Abschnitt.

Axial schmaler bauend als zweireihige Schrägkugellager

Diese Lager haben massive Außenringe, geteilte Innenringe und Kugelkränze mit Messing- oder Polyamidkäfig ➤ Abschnitt. Aufgrund des zwei­teiligen Innenrings kann eine große Anzahl Kugeln im Lager untergebracht werden. Die Innenringhälften sind auf das jeweilige Lager abgestimmt und dürfen nicht mit denen gleich großer Lager vertauscht werden. In axialer Richtung bauen Vierpunktlager deutlich schmaler als beispielsweise zweireihige Schrägkugellager.

Vierpunktlager der Grundausführung

α = Nenndruckwinkel

M1, M2 = Krümmungsmittelpunkte der Außenringlaufbahn

Fr = Radiale Belastung

Fa = Axiale Belastung

Vierpunktlager, geteilter Innenring, ohne Haltenuten im Außenring

Geometrie der Laufbahnen

Lager mit Haltenuten im Außenring

Durch die Haltenuten kann das Lager einfach im Gehäuse festgelegt werden

Vierpunktlager werden häufig mit einem Radiallager kombiniert und als Axiallager mit radialem Spiel im Gehäuse eingesetzt ➤ Bild, ➤ Abschnitt. Zur schnellen und sicheren Festlegung der Lager im Gehäuse haben größere Lager deshalb zwei um 180° versetzte Haltenuten in einer Stirnseite des Außenrings ➤ Bild. In diese Haltenuten greifen Sicherungsstifte ein, die den Außenring im Gehäuse festlegen.

Vierpunktlager als Axiallager eingesetzt, radiales Spiel am Außenring, axialer Kraftfluss

Zylinderrollenlager (Radiallager)

Vierpunktlager mit Haltenuten im Außenring (Axiallager, Außenring radial freigestellt)

Sicherungsstift zur Fixierung des Außenrings

X-life-Premiumqualität

Vierpunktlager gibt es in bestimmten Abmessungen als X-life-Lager. Gegenüber Standard-Vierpunktlagern sind diese Lager wesentlich leistungsstärker ➤ Bild. Erreicht wird das u. a. durch die geänderte Innenkonstruktion und höhere Oberflächengüte der Kontaktflächen, das optimierte Käfigdesign sowie durch die bessere Qualität des Stahls und der Wälzkörper.

Vorteile

Höherer Kundennutzen durch X-life

Aus den technischen Detailverbesserungen ergeben sich eine Reihe von Vorteilen wie z. B.:

  • eine günstigere Lastverteilung im Lager und damit eine höhere dynamische Belastbarkeit der Lager ➤ Bild
  • eine höhere Laufruhe
  • ein reibungsärmerer, energieeffizienterer Lauf
  • eine niedrigere Wärmeentwicklung im Lager
  • höhere mögliche Drehzahlen
  • ein geringerer Schmierstoffverbrauch und dadurch längere Wartungsintervalle
  • eine messbar längere Gebrauchsdauer
  • eine hohe Betriebssicherheit
  • kompakt bauende, umweltfreundliche Lagerungen.

Niedrigere Betriebs­kosten, höhere Maschinenverfügbarkeit

In Summe verbessern diese Vorteile die Gesamtwirtschaftlichkeit der Lagerstelle deutlich und erhöhen damit die Effizienz der Maschine und Anlage nachhaltig.

Nachsetzzeichen XL

X-life-Vierpunktlager haben das Nachsetzzeichen XL im Kurzzeichen ➤ Tabelle, ➤ Bild und ➤ Maßtabelle.

Vergleich der dynamischen Tragzahl Cr – Lagerreihe QJ3..‑XL, Bohrungskennzahl 5 bis 14, mit einem Lager ohne X-life-Qualitäten

Cr = Dynamische Tragzahl

Bohrungskennzahl

Anwendungsbereiche

Breites Einsatzspektrum

Aufgrund ihrer besonderen technischen Merkmale eignen sich X-life-Vierpunktlager sehr gut für Lagerungen in:

  • Kompressoren
  • Flüssigkeits- und Hydraulikpumpen
  • Automotive-Fahrwerken und -Getrieben
  • Industrie-, Eisenbahn- und Windradgetrieben
  • landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten.

X-life steht für eine hohe Produkt-Leistungsdichte und damit für einen besonders großen Kundennutzen. Weitere Informationen zu X-life ➤ Link.

Belastbarkeit

Axial beidseitig hoch belastbar

Durch die Gestaltung der Laufbahnen mit ihren hohen Schultern, dem großen Nenndruckwinkel von α0 = 35° und der hohen Anzahl von Wälzkörpern sind Vierpunktlager axial sehr tragfähig. Sie sind für wechselnde, rein axiale Belastungen oder überwiegende Axiallast geeignet. Dabei berühren die Kugeln den Innen- und Außenring nur in je einem Punkt wie bei einem axial belasteten einreihigen Schrägkugellager➤ Bild.

Die radiale Belastbarkeit der Lager ist gering. Bei überwiegend radialer Belastung sollen Vierpunktlager wegen der höheren Reibung im Vierpunktkontakt nicht eingesetzt werden.

Ausgleich von Winkelfehlern

Vierpunktlager können keine Fluchtungsfehler ausgleichen

Vierpunktlager eignen sich nicht zum Ausgleich von Fluchtungsfehlern bei Gehäuseverformungen oder Wellendurchbiegungen. Eine mögliche Schiefstellung des Innenrings gegenüber dem Außenring hängt u. a. von der Lagerbelastung, dem Betriebsspiel und der Lagergröße ab und ist sehr gering.

Schiefstellungen der Lagerringe erhöhen das Laufgeräusch, beanspruchen die Käfige stärker und wirken sich nachteilig auf die Gebrauchsdauer der Lager aus.

Schmierung

Öl- oder Fettschmierung

Die Lager sind nicht befettet. Sie müssen mit Öl oder Fett geschmiert werden.

Verträglichkeit mit Kunststoffkäfigen

Werden Lager mit Kunststoffkäfig verwendet, ist sicherzustellen, dass beim Einsatz von Syntheseölen oder Schmierfetten auf Syntheseölbasis sowie bei Schmierstoffen mit einem hohen Anteil an EP‑Zusätzen die Verträglichkeit des Schmierstoffs mit dem Käfigmaterial gegeben ist.

Ölwechselfristen einhalten

Gealtertes Öl und im Öl enthaltene Additive können bei höheren Temperaturen die Gebrauchsdauer der Kunststoffe beeinträchtigen. Vorgegebene Ölwechselfristen müssen deshalb unbedingt eingehalten werden.

Abdichtung

Die Lager sind offen

Vierpunktlager werden ohne Abdichtung geliefert. Die Abdichtung der Lagerstelle muss deshalb in der Anschlusskonstruktion erfolgen. Die Abdichtung muss zuverlässig verhindern, dass:

  • Feuchtigkeit und Verunreinigungen in das Lager gelangen
  • Schmierstoff aus dem Lager austritt.

Drehzahlen

Höhere Drehzahlen sind nur bei rein axialer Belastung möglich

Wegen des Vierpunktkontaktes und der damit verbundenen höheren Reibung ist die Drehzahleignung der Lager bei radialer Belastung stark begrenzt. Höhere Drehzahlen werden nur erreicht, wenn Vierpunktlager ausschließlich axial belastet werden.

Grenz- und Bezugs­drehzahlen in den Produkttabellen

In den Produkttabellen sind in der Regel zwei Drehzahlen angegeben ➤ Maßtabelle:

  • die kinematische Grenzdrehzahl nG
  • die thermische Bezugsdrehzahl nϑr.
Grenzdrehzahl

Die Grenzdrehzahl nG ist die kinematisch zulässige Drehzahl eines Lagers. Sie darf auch bei günstigen Einbau- und Betriebsbedingungen nicht ohne vorherige Rücksprache mit Schaeffler überschritten werden ➤ Link. Die Werte in den Produkttabellen gelten für Ölschmierung.

Werte bei Fettschmierung

Bei Fettschmierung sind jeweils 75% des in den Produkttabellen angegebenen Wertes zulässig.

Bezugsdrehzahlen

nϑr dient zur Berechnung von nϑ

Die thermische Bezugsdrehzahl nϑr ist keine anwendungsbezogene Drehzahlgrenze, sondern eine rechnerische Hilfsgröße zur Ermittlung der thermisch zulässigen Betriebsdrehzahl nϑ ➤ Link.

Geräusch

Als neues Merkmal zum Vergleich des Geräuschniveaus unterschiedlicher Lagerarten und Baureihen wurde der Schaeffler Geräuschindex (SGI) entwickelt. Damit ist es erstmals möglich, eine Geräuschbewertung von Wälzlagern durchzuführen.

Schaeffler Geräuschindex

Der SGI-Wert basiert auf dem nach internen Standards maximal zulässigen Geräuschniveau eines Lagers, welches in Anlehnung an ISO 15242 ermittelt wird. Zum Vergleich unterschiedlicher Lagerarten und Baureihen ist der SGI-Wert über der statischen Tragzahl C0 aufgetragen.

Damit ist es möglich, Lager gleicher Tragfähigkeit direkt zu vergleichen. In den Diagrammen ist jeweils der obere Grenzwert angegeben. Das bedeutet, dass das durchschnittliche Geräuschniveau der Lager noch kleiner ist, als im Diagramm dargestellt.

Der Schaeffler Geräuschindex ist ein zusätzliches Leistungsmerkmal zur Lager­auswahl bei geräuschsensiblen Anwendungen. Die spezifische Eignung eines Lagers für eine Anwendung, beispielsweise hinsichtlich Bauraum, Tragfähigkeit oder Drehzahlgrenze, ist davon unabhängig zu prüfen.

Schaeffler Geräuschindex für Vierpunktlager

SGI = Schaeffler Geräuschindex

C0 = Statische Tragzahl

Temperaturbereich

Limitierende Größen

Die Betriebstemperatur der Lager ist begrenzt durch:

  • die Maßstabilität der Lagerringe und Wälzkörper
  • den Käfig
  • den Schmierstoff.

Mögliche Betriebstemperaturen der Vierpunktlager ➤ Tabelle.

Zulässige Temperaturbereiche

Betriebs­temperatur

Vierpunktlager

mit Messingkäfig

mit Polyamidkäfig PA66

30 °C bis +150 °C,
bei D > 240 mm bis +200 °C

30 °C bis +120 °C

Sind Temperaturen zu erwarten, die außerhalb der angegebenen Werte liegen, bitte bei Schaeffler rückfragen.

Käfige

Standard sind Massiv­käfige aus Messing und Polyamid PA66

Standardkäfige und zusätzliche Ausführungen für Vierpunktlager ➤ Tabelle. Andere Käfigausführungen sind auf Anfrage lieferbar. Bei solchen Käfigen können jedoch die Eignung für hohe Drehzahlen und hohe Temperaturen sowie die Tragzahlen von den Angaben für die Lager mit den Standardkäfigen abweichen.

Bei hohen Dauertemperaturen und Anwendungen mit schwierigen Betriebsbedingungen sollten Lager mit Messing- oder Stahlblechkäfig eingesetzt werden. Bestehen Unsicherheiten bezüglich der Käfigeignung, bitte bei Schaeffler rückfragen.

Käfig, Käfignachsetzzeichen, Bohrungskennzahl

Lagerreihe

Massivkäfig aus Messing

Massivkäfig aus Polyamid PA66

MPA

TVP

Standard

zusätzlich bei

Standard

zusätzlich bei

Bohrungskennzahl

QJ10

12, 17, 19, 21, 22, 24, 26, 30 bis 40

QJ2

bis 08, 10, 13, 16, 17, ab 19

09, 11, 12, 14, 15, 18

09, 11,12, 14, 15, 18

08

QJ3

03, 04, ab 10

05 bis 09

05 bis 09

Lagerluft

Axiale Lagerluft

Standard ist CN

Vierpunktlager werden serienmäßig mit der axialen Lagerluft CN (normal) gefertigt ➤ Tabelle. CN wird im Kurzzeichen nicht angegeben.

Darüber hinaus sind bestimmte Abmessungen auf Anfrage auch mit der kleineren Lagerluft C2 sowie mit der größeren Lagerluft C3 und C4 lieferbar.

Die Werte der axialen Lagerluft entsprechen DIN 628-4:2008 (ISO 5753‑2:2010) ➤ Tabelle. Sie gelten für Lager im unbelasteten, messkraftfreien Zustand (ohne elastische Deformation).

Axiale Lagerluft von Vierpunktlagern

Nenndurchmesser der Bohrung

Axiale Lagerluft

d

mm

C2
(Group 2)

μm

CN
(Group N)

μm

C3
(Group 3)

μm

C4
(Group 4)

μm

über

bis

min.

max.

min.

max.

min.

max.

min.

max.

10

18

15

65

50

95

85

130

120

165

18

40

25

75

65

110

100

150

135

185

40

60

35

85

75

125

110

165

150

200

60

80

45

100

85

140

125

175

165

215

80

100

55

110

95

150

135

190

180

235

100

140

70

130

115

175

160

220

205

265

140

180

90

155

135

200

185

250

235

300

180

220

105

175

155

225

210

280

260

330

Abmessungen, Toleranzen

Abmessungsnormen

Die Hauptabmessungen der Vierpunktlager entsprechen DIN 628‑4:2008.  Nennmaße der Vierpunktlager ➤ Maßtabelle.

Kantenabstände

Die Grenzmaße für Kantenabstände entsprechen DIN 620‑6:2004. Übersicht und Grenzwerte ➤ Abschnitt. Nennmaß des Kantenabstands ➤ Maßtabelle.

Toleranzen

Die Toleranzen für die Maß- und Laufgenauigkeit der Vierpunktlager entsprechen der Toleranzklasse Normal nach ISO 492:2014. Toleranzwerte nach ISO 492 ➤ Tabelle.

Haltenuten

Die Abmessungen und Toleranzen der Haltenuten entsprechen ISO 20515:2012 bzw. DIN 628-4:2008.

Nachsetzzeichen

Die Bedeutung der in diesem Kapitel verwendeten Nachsetzzeichen zeigt ➤ Tabelle sowie medias interchange http://www.schaeffler.de/std/1B69.

Nachsetzzeichen und ihre Bedeutung

Nachsetz­zeichen

Bedeutung der Nachsetzzeichen

C2

Axialluft C2 (kleiner als normal)

Sonderausführung,
auf Anfrage

C3

Axialluft C3 (größer als normal)

C4

Axialluft C4 (größer als C3)

MPA

Massivkäfig aus Messing,
Führung am Außenring

Standard, Käfigwerkstoff abhängig von der Lagerreihe und der Bohrungskennzahl

TVP

Massivkäfig aus glasfaserverstärktem Polyamid PA66

XL

X-life-Lager

Standard, abhängig von der Bohrungskennzahl
und der Lagerbauform

N2

zwei Haltenuten im Außenring

Standard bei
größeren Lagern

Aufbau der Lagerbezeichnung

Beispiel zur Bildung der Lagerbezeichnung

Die Bezeichnung der Lager folgt einem festgelegten Schema. Ein Beispiel dazu zeigt ➤ Bild. Für die Bildung der Kurzzeichen gilt DIN 623-1 ➤ Bild.

Vierpunktlager mit zwei Haltenuten im Außenring: Aufbau des Kurzzeichens

Dimensionierung

Dynamische äquivalente Lagerbelastung

P = Fr bei rein radialer Belastung konstanter Größe und Richtung

Die zur Dimensionierung dynamisch beanspruchter Lager verwendete Lebensdauer-Grundgleichung L = (Cr/P)p setzt eine Belastung konstanter Größe und Richtung voraus. Bei Radiallagern ist das eine rein radiale Belastung Fr. Ist dies gegeben, wird in die Lebensdauergleichung für P die Lagerbelastung Fr eingesetzt (P = Fr).

P ist eine Ersatzkraft bei kombinierter Belastung und bei verschiedenen Lastfällen

Trifft diese Bedingung nicht zu, muss zur Lebensdauerberechnung zunächst eine konstante Radialkraft bestimmt werden, die (was die Lebensdauer betrifft) eine gleichwertige Beanspruchung darstellt. Diese Kraft wird dynamische äquivalente Lagerbelastung P genannt.

Fa/Fr0,95 oder Fa/Fr0,95

Die Berechnung von P hängt vom Belastungsverhältnis Fa/Fr und dem Faktor 0,95 ab ➤ Formel und ➤ Formel.

Dynamische äquivalente Belastung

Dynamische äquivalente Belastung

Legende

P N

Dynamische äquivalente Lagerbelastung

Fr N

Radiale Belastung

Fa N

Axiale Belastung.

Statische äquivalente Lagerbelastung

Für statisch beanspruchte Vierpunktlager gilt ➤ Formel.

Statische äquivalente Belastung

Legende

P0 N

Statische äquivalente Lagerbelastung

F0r, F0a N

Größte auftretende radiale oder axiale Belastung (Maximal­belastung).

Statische Tragsicherheit

S0 = C0/P0

Neben der nominellen Lebensdauer L (L10h) ist immer auch die statische Tragsicherheit S0 zu überprüfen ➤ Formel.

Statische Tragsicherheit

Legende

S0

Statische Tragsicherheit

C0 N

Statische Tragzahl

P0 N

Statische äquivalente Lagerbelastung.

Mindestbelastung

Um Schlupfschäden zu vermeiden, ist eine axiale Mindestbelastung von Fa1,2 · Fr notwendig

Für eine niedrige Reibung im Lager ist, besonders bei hohen Drehzahlen, eine axiale Mindestbelastung erforderlich. Damit die Reibung im Lager nicht zu sehr ansteigt, soll die Axialkraft so hoch sein, dass die Wälzkörper die Innen- und Außenringlaufbahn jeweils nur in einem Punkt berühren. Das ist gegeben, wenn Fa1,2 · Fr ist.

Gestaltung der Lagerung

Einsatz als Axiallager

Ist ein Vierpunktlager als reines Axiallager vorgesehen, muss der Außenring im Gehäuse radiales Spiel haben, um das Lager radial nicht zu belasten ➤ Bild.

Lagerringe auf ganzem Umfang und ganzer Breite abstützen

Damit die Tragfähigkeit der Lager voll genutzt werden kann und so auch die geforderte Lebensdauer erreicht wird, müssen die Lagerringe durch Auflageflächen auf ihrem ganzen Umfang und über die volle Laufbahnbreite fest und gleichmäßig abgestützt werden (gilt nicht für Lager mit radial freigestelltem Außenring). Die Sitz- und Auflageflächen sollen nicht durch Nuten, Bohrungen oder sonstige Ausnehmungen unterbrochen sein. Die Genauigkeit der Gegenstücke muss bestimmten Anforderungen entsprechen ➤ Tabelle bis ➤ Tabelle.

Radiale Befestigung der Lager – Passungsempfehlungen

Für eine sichere radiale Befestigung sind feste Passungen notwendig

Neben der ausreichenden Abstützung der Ringe müssen die Lager auch radial sicher befestigt werden, damit die Lagerringe auf den Gegenstücken unter Last nicht wandern. Das geschieht im Allgemeinen durch feste Passungen zwischen den Lagerringen und den Gegenstücken. Werden die Ringe nicht ausreichend oder fehlerhaft befestigt, kann dies zu schweren Schäden an den Lagern und angrenzenden Maschinenteilen führen. Bei der Wahl der Passungen sind Einflussgrößen wie Umlaufverhältnisse, die Höhe der Belastung, die Lagerluft, Temperaturverhältnisse, die Ausführung der Gegenstücke und Ein- und Ausbaumöglichkeiten zu berücksichtigen.

Treten stoßartige Belastungen auf, sind feste Passungen (Übergangs- oder Übermaßpassung) notwendig, damit sich die Ringe zu keinem Zeitpunkt lockern. Zu Spiel-, Übergangs- oder Übermaßpassung ➤ Tabelle und ➤ Tabelle.

Bei der Gestaltung der Lagerung sind die folgenden Angaben aus den ­technischen Grundlagen zu berücksichtigen:

Festlegung des Außenrings durch Haltenuten

Zur Festsetzung der Lager im Gehäuse mittels Haltenuten und Sicherungsstift ➤ Bild.

Axiale Befestigung der Lager – Befestigungsarten

Die Lager müssen auch in axialer Richtung sicher festgelegt sein

Da eine feste Passung allein meist nicht ausreicht, die Lagerringe auf der Welle und in der Gehäusebohrung auch in axialer Richtung sicher festzulegen, muss dies in der Regel durch eine zusätzliche axiale Befestigung bzw. Sicherung erfolgen. Die axiale Fixierung der Lagerringe ist auf die Art der Lageranordnung abzustimmen. Geeignet sind prinzipiell Wellen- und Gehäuseschultern, Gehäusedeckel, Muttern, Abstandsringe, Sicherungsringe usw. ➤ Bild.

Maß-, Form- und Laufgenauigkeit für die Lagersitze

Für den Wellensitz mindestens IT6, für den Gehäusesitz mindestens IT7 vorsehen

Die Genauigkeit des Lagersitzes auf der Welle und im Gehäuse soll der Genauigkeit des eingesetzten Lagers entsprechen. Bei Vierpunktlagern mit der Toleranzklasse Normal soll der Wellensitz mindestens dem Grundtoleranzgrad IT6, der Gehäusesitz mindestens IT7 entsprechen. Richtwerte für die Form- und Lagetoleranzen der Lagersitzflächen ➤ Tabelle, Toleranzen t1 bis t3 entsprechend ➤ Bild. Zahlenwerte für die IT-Qualitäten ➤ Tabelle.

Richtwerte für die Form- und Lagetoleranzen der Lagersitzflächen

Toleranzklasse
der Lager

Lager­sitz­fläche

Grundtoleranzgrade nach ISO 286-1
(IT-Qualitäten)

nach ISO 492

nach DIN 620

Durch­messer­toleranz

Rund­heits-­toleranz

Paralle­litäts­toleranz

Gesamt­planlauf-­toleranz
der Anlage­schulter

t1

t2

t3

Normal

PN (P0)

Welle

IT6 (IT5)

Umfangs­last
IT4/2

Umfangs­last
IT4/2

IT4

Punkt­last
IT5/2

Punkt­last
IT5/2

Gehäuse

IT7 (IT6)

Umfangs­last
IT5/2

Umfangs­last
IT5/2

IT5

Punkt­last
IT6/2

Punkt­last
IT6/2

Zahlenwerte für ISO-Grundtoleranzen (IT-Qualitäten) nach ISO 286-1:2010

IT-Qualität

Nennmaß in mm

über

10

18

30

50

80

120

180

250

bis

18

30

50

80

120

180

250

315

Werte in μm

IT4

5

6

7

8

10

12

14

16

IT5

8

9

11

13

15

18

20

23

IT6

11

13

16

19

22

25

29

32

IT7

18

21

25

30

35

40

46

52

Rauheit zylindrischer Lagersitzflächen

Ra darf nicht zu groß sein

Die Rauheit der Lagersitze ist auf die Toleranzklasse der Lager abzustimmen. Der Mittenrauwert Ra darf nicht zu groß werden, damit der Übermaßverlust in Grenzen bleibt. Die Wellen müssen geschliffen, die Bohrungen feingedreht werden. Richtwerte in Abhängigkeit von der IT‑Qualität der Lagersitzflächen ➤ Tabelle.

Rauheitswerte für zylindrische Lagersitzflächen – Richtwerte

Nenndurchmesser
des Lagersitzes

d (D)

empfohlener Mittenrauwert
für geschliffene Lagersitze
Ramax

mm

μm

Durchmessertoleranz (IT-Qualität)

über

bis

IT7

IT6

IT5

IT4

80

1,6

0,8

0,4

0,2

80

500

1,6

1,6

0,8

0,4

Anschlussmaße für die Anlageflächen der Lagerringe

Die Anlageflächen für die Ringe müssen ausreichend hoch sein

Die Anschlussmaße von Wellen- und Gehäuseschultern, Abstandsringen usw. müssen sicherstellen, dass die Anlageflächen für die Lagerringe ausreichend hoch sind. Sie müssen jedoch auch zuverlässig verhindern, dass umlaufende Teile des Lagers an feststehenden Teilen anstreifen. Bewährte Anschlussmaße für die Radien und die Durchmesser der Anlageschultern ➤ Maßtabelle. Diese Maße sind Grenzmaße (Größt- oder Kleinstmaße); sie dürfen nicht über- oder unterschritten werden.

Ein- und Ausbau

Die Ein- und Ausbaumöglichkeiten der Vierpunktlager mit thermischen, hydraulischen oder mechanischen Verfahren sind bereits bei der Gestaltung der Lagerstelle zu berücksichtigen.

Die Lager sind montagefreundlich, da nicht selbsthaltend

Vierpunktlager sind nicht selbsthaltend. Dadurch lassen sich der Außenring mit dem Kugelkranz und die beiden Innenringhälften getrennt von­einander einbauen➤ Abschnitt. Das vereinfacht den Einbau der Lager.

Schaeffler-Montagehandbuch

Wälzlager sehr sorgfältig behandeln

Wälzlager sind vielfach bewährte Präzisions-Maschinenelemente zur Gestaltung wirtschaftlicher, zuverlässiger und betriebssicherer Lagerungen. Damit diese Produkte ihre Funktion einwandfrei erfüllen und die vorgesehene Gebrauchsdauer ohne Beeinträchtigung erreichen, müssen sie sorgfältig behandelt werden.

Das Schaeffler-Montagehandbuch MH 1 informiert umfassend über die sachgemäße Lagerung, Montage, Demontage und Wartung rotatorischer Wälzlager http://www.schaeffler.de/std/1B68. Daneben enthält es Angaben, die der Konstrukteur für den Ein‑ und Ausbau und die Wartung der Lager schon bei der Gestaltung der Lagerstelle beachten muss. Das Buch liefert Schaeffler auf Anfrage.

Rechtshinweis zur Datenaktualität

Die Weiterentwicklung der Produkte kann auch zu technischen Änderungen an Katalogprodukten führen

Im Mittelpunkt des Interesses von Schaeffler stehen die Optimierung und die Weiterentwicklung seiner Produkte und die Zufriedenheit seiner Kunden. Damit Sie sich als Kunde bestmöglich über diesen Fortschritt und den aktuellen technischen Stand der Produkte informieren können, veröffentlichen wir Produktänderungen gegenüber der gedruckten Ausgabe in unserem elektronischen Produktkatalog.

Änderungen der Angaben und Darstellungen dieses Katalogs behalten wir uns daher vor. Dieser Katalog gibt den Stand bei Drucklegung wieder. Neuere Veröffentlichungen unsererseits (in Printmedien oder digital) gehen automatisch diesem Katalog vor, soweit sie dasselbe Thema betreffen. Bitte prüfen Sie daher stets über unseren elektronischen Produktkatalog, ob aktuellere Informationen oder Änderungshinweise für Ihr gewünschtes Produkt verfügbar sind.

Weiterführende Informationen

Bei der Auslegung einer Lagerung sind neben den Angaben in diesem Kapitel auch folgende Kapitel in den technischen Grundlagen zu beachten: